Die Mühle brennt

Die alte Mühle brennt – Großbrand in Unterschützen

 

 

Die alte Walzenmühle meiner Eltern in Unterschützen war ursprünglich eine Herrschaftsmühle, die im 18. Jahrhundert von Graf Batthyany gebaut wurde.

Mein Vater betrieb die Mühle schon in der dritten Generation. Bevor er sie übernahm, verbrachte er fünf Jahre in Kanada. Als sein Vater unerwartet starb, kehrte er in die alte Heimat zurück und übernahm den elterlichen Betrieb, obwohl er noch gerne in Kanada geblieben wäre.

Am 5. Feber 1954 wurde alles anders. Es war eine eiskalte, sternenklare Winternacht.
Das Thermometer zeigte minus 20° Celsius. Der Schnee in den Gärten glitzerte im hellen Mondlicht, und die Bäche waren mit einer dicken Eisschicht zugefroren. Wir Kinder hielten uns mit der Großmutter in der warmen Küche auf. Der Vater war bei einer Versammlung, die Mutter im Nachbarhaus Federnschleißen.

Plötzlich begann unser Hund seltsam zu bellen.
Es war aber nicht ein Bellen wie immer, sondern es glich eher dem Heulen eines Wolfes. Als mein Bruder vor die Tür ging, um nachzuschauen, regte sich kein Blatt, es war totenstill. Allmählich bemerkte er, wie dunkle Rauchschwaden aus dem Dachfenster der Mühle stiegen. Mit einem lauten „die Mühle brennt“, stürzte er in die Küche. Rasch wurden die Eltern von dem großen Malheur verständigt. Als mein Vater die Tür der Mühle öffnete, begann durch die Luftzufuhr der Feuerteufel so richtig zu wüten.

Mein Bruder lief zum Gasthaus, um die Feuerwehr zu alarmieren. Zu dieser Zeit gab es nur beim Wirt ein öffentliches Telefon. Auf dem Heimweg verlor er die Schuhe und legte den letzten Teil des Weges bei -20° auf der schneebedeckten Straße bloßfüßig zurück. Er hatte nämlich in der Eile die Schuhe des Vaters erwischt. Der Mesner läutete die Kirchenglocken, und der Hornist der Feuerwehr blies Alarm auf seiner Trompete.

Ich flüchtete spärlich bekleidet in das Haus meines Onkels. Vom Küchenfenster aus musste ich mit Tränen in den Augen zuschauen, wie unsere Mühle ein Fraß der lodernden Flammen wurde. Mit einem lauten Trara kamen allmählich die Feuerwehren angebraust. Die Feuerwehr Bad Tatzmannsdorf kam zuerst. Obwohl sie sich in der eisigen Nacht viel Mühe gaben, das Feuer einzudämmen, war die Mühle nicht mehr zu retten. Sie brannte bis auf die vier Mauern nieder. Das angrenzende Wohnhaus konnte Gott sei Dank noch gerettet werden.

Was ich am nächsten Tag zu sehen bekam, war herzzerreißend.
Dicke, schwarze Rauchwolken stiegen zum Himmel, und es stank nach verkohltem Getreide. Vor mir stand anstatt der schönen alten Mühle eine qualmende Ruine. Wir standen vor dem Nichts.

Mit viel Fleiß, Zusammenhalt und der großen Hilfe von Freunden gelang es, die Mühle allmählich wieder aufzubauen.
Heute steht sie noch da! Doch nach dem Tod meines Vaters ist es still geworden um sie. Das Plätschern des Wassers ist verstummt, kein Rad dreht sich mehr.

 

 

 

Quelle : Erinnerungen von Edi Nicka
Fotos : (C) Edi Nicka
Ein Beitrag gefördert vom Land Burgenland

Die alte Mühle brennt – Großbrand in Unterschützen

 

 

Die alte Walzenmühle meiner Eltern in Unterschützen war ursprünglich eine Herrschaftsmühle, die im 18. Jahrhundert von Graf Batthyany gebaut wurde.

Mein Vater betrieb die Mühle schon in der dritten Generation. Bevor er sie übernahm, verbrachte er fünf Jahre in Kanada. Als sein Vater unerwartet starb, kehrte er in die alte Heimat zurück und übernahm den elterlichen Betrieb, obwohl er noch gerne in Kanada geblieben wäre.

Am 5. Feber 1954 wurde alles anders. Es war eine eiskalte, sternenklare Winternacht.
Das Thermometer zeigte minus 20° Celsius. Der Schnee in den Gärten glitzerte im hellen Mondlicht, und die Bäche waren mit einer dicken Eisschicht zugefroren. Wir Kinder hielten uns mit der Großmutter in der warmen Küche auf. Der Vater war bei einer Versammlung, die Mutter im Nachbarhaus Federnschleißen.

Plötzlich begann unser Hund seltsam zu bellen.
Es war aber nicht ein Bellen wie immer, sondern es glich eher dem Heulen eines Wolfes. Als mein Bruder vor die Tür ging, um nachzuschauen, regte sich kein Blatt, es war totenstill. Allmählich bemerkte er, wie dunkle Rauchschwaden aus dem Dachfenster der Mühle stiegen. Mit einem lauten „die Mühle brennt“, stürzte er in die Küche. Rasch wurden die Eltern von dem großen Malheur verständigt. Als mein Vater die Tür der Mühle öffnete, begann durch die Luftzufuhr der Feuerteufel so richtig zu wüten.

Mein Bruder lief zum Gasthaus, um die Feuerwehr zu alarmieren. Zu dieser Zeit gab es nur beim Wirt ein öffentliches Telefon. Auf dem Heimweg verlor er die Schuhe und legte den letzten Teil des Weges bei -20° auf der schneebedeckten Straße bloßfüßig zurück. Er hatte nämlich in der Eile die Schuhe des Vaters erwischt. Der Mesner läutete die Kirchenglocken, und der Hornist der Feuerwehr blies Alarm auf seiner Trompete.

Ich flüchtete spärlich bekleidet in das Haus meines Onkels. Vom Küchenfenster aus musste ich mit Tränen in den Augen zuschauen, wie unsere Mühle ein Fraß der lodernden Flammen wurde. Mit einem lauten Trara kamen allmählich die Feuerwehren angebraust. Die Feuerwehr Bad Tatzmannsdorf kam zuerst. Obwohl sie sich in der eisigen Nacht viel Mühe gaben, das Feuer einzudämmen, war die Mühle nicht mehr zu retten. Sie brannte bis auf die vier Mauern nieder. Das angrenzende Wohnhaus konnte Gott sei Dank noch gerettet werden.

Was ich am nächsten Tag zu sehen bekam, war herzzerreißend.
Dicke, schwarze Rauchwolken stiegen zum Himmel, und es stank nach verkohltem Getreide. Vor mir stand anstatt der schönen alten Mühle eine qualmende Ruine. Wir standen vor dem Nichts.

Mit viel Fleiß, Zusammenhalt und der großen Hilfe von Freunden gelang es, die Mühle allmählich wieder aufzubauen.
Heute steht sie noch da! Doch nach dem Tod meines Vaters ist es still geworden um sie. Das Plätschern des Wassers ist verstummt, kein Rad dreht sich mehr.

 

 

 

Quelle : Erinnerungen von Edi Nicka
Fotos : (C) Edi Nicka
Ein Beitrag gefördert vom Land Burgenland

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner