und ihr Wirken 

Und wie sie zu ihrem Namen kam

 

Alle kannten sie unter dem Namen Schwester Pia.

Schon in jungen Jahren eine ungewöhnliche Frau, hat sie Krankenschwester gelernt. Aber das Wirken in Team war wohl mit ihrem Wesen nicht wirklich kompatibel. Also begann sie eine Karriere als Privatkrankenschwester. Leisten konnten sich das in den späten 20er Jahren und den beginnenden 30er Jahren nur die sehr Reichen. Und so arbeitete sie bei den Mautner Markhofs, Mayr Melnhofs, Großindustrielle, Fabrikanten uä und das färbte ein wenig auf sie ab.

Zeit ihres Lebens hatte sie einen Hang zum „Feinen“.

Ein besonderes Engagement folgte im Herbst 1935. Sie wurde als Kinderkrankenschwester nach Italien geschickt. Zur Familie Di Brioni, Grafen in der Nähe von Turin. Schon die Hinfahrt war besonders. Im Zug machte sie die Bekanntschaft von Ignaz. Was genau geschah, ist ihr ewiges Geheimnis.

Was sie aber unabsichtlich einmal erzählte war, dass ihr Arbeitgeber in Turin – Angelo Conte di Brioni – die junge Schwester wohl sehr attraktiv fand. Wie attraktiv ist auch ihr Geheimnis geblieben.

Fakt ist – sie kehrte nach Österreich zurück und gebar im Sommer 1936 eine Tochter. Genaue Umstände über die Vaterschaft blieben ihr Geheimnis.

In diesem Zeitalter ein lediges Kind – noch dazu in einem sehr katholischen Umfeld – war nicht leicht. Ihre Mutter, die am Land lebte und ein kleine Landwirtschaft hatte, half das Kind aufzuziehen.

Der Krieg beendete die bevorzugte Tätigkeit abrupt. Die private Pflege fand ein jähes Ende, als alle Kräfte eingezogen wurden in einen unseligen Krieg. Und so landete sie als Krankenschwester in einem Lazarett. Dort gab es eine Menge Schwestern mit Namen Maria und so wurde sie Schwester PIA.Und blieb es bis an ihr Lebensende. Wer auf Pia kam, blieb auch ihr Geheimnis. Nicht gerade der typisch österreichische „Ausweichname“…..wohl eher italienisch….

Das Arbeiten im Lazarett unterschied sich gewaltig von reichen Haushalten. Unsagbares Leid war tagtäglich zu betreuen.

Auch das Personal Schwestern Pfleger und Ärzte litten unter den Schicksalen. Wen wundert es da, wenn es „menschelt“. So kam die neu „getaufte“ Schwester Pia  einem Verwundeten sehr nah. Es gibt in ihrem Nachlass ein Foto von diesem Mann, aber keinen Namen. Der gegenseitige Versuch, trotz all dem Wahnsinn das Leben zu leben, brachte einen neuen Erdenbürger hervor. Hört man zwischen den Zeilen ihren Erzählungen so war der Vater des Buben wohl die große Liebe. Es gab nur ein kleines Detail…er hatte vergessen ihr zu erzählen, dass er in Deutschland verheiratet war. Er ging zurück zu seiner Familie.

Und so hatte sie 1943 zwei uneheliche Kinder, die ernährt werden mussten.

Nun – wie kam sie nach Loretto?

Die Geschichte ist lang, aber wir wollen sie hier kurz und knackig wiedergeben:

Zu Beginn der 50er Jahre arbeitete sie in der Wiener Privatklinik Auersperg. Dort ließen Damen. die es sich leisten konnten, zu dutzenden Kinder abtreiben. Als Frau, die unter schwierigsten Umständen zwei Kinder geboren und allein großgezogen hat UND als zu dem Zeitpunkt schon stark gläubige Christin, untragbar. Gemeinsam mit einer Ordensschwester und dem Hausmeister brachte sie eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein. Als Kronzeugin der Anklage schaffte sie es auf die Titelblätter der Tageszeitungen UND bekam nirgendwo mehr einen Job.

Letztendlich bekam sie eine Stelle als Erste Hilfe Schwester im Steinbruch Loretto.  Was dann daraus wurde, schreiben wir noch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Brigitta Trsek
Fotos: Brigitta Trsek
Ein Beitrag gefördert vom Land Burgenland

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner